Eppendorfer Bürgerverein von 1875 
Leben im Stadtteil mit Charme    

 

Die Eppendorfer Landstraße im Wandel der Zeit 

Zur Zeit wird viel über die Umgestaltung der Eppendorfer Landstraße diskutiert – Grund genug, einen Blick in ihre Vergangenheit zu werfen.

 „Freilich, nur auf unwegsamen Sandpfaden gelangte man nach Eppendorf…“ heißt es in einem alten Bericht aus dem 18. Jahrhundert. Die Landstraße war früher ein unbefestigter Weg, der das kleine Dorf an der Alster mit Hamburg verband.  Auf einer Karte von 1774 kann man sie schon klar erkennen, teilweise als Allee angelegt. Noch heute stehen auf Höhe des Gasthauses "Alte Mühle" einige mächtige Eichen aus dem Jahr 1785.

Ab dem 18. Jahrhundert zog es wohlhabende Hamburger im Sommer hinaus aufs Land, das idyllische Eppendorf galt als besondere Perle. Der heutige Haynspark und der Eppendorfer Park sind kleine Überbleibsel  von weitläufigen Anwesen entlang des damals noch schmalen Landwegs. Ein Gedenkstein an der Ecke Loogestieg erinnert an den Andreasbrunnen, einem mondänen Kurbetrieb mit künstlichem Mineralwasser. 

Die Gründerzeit nach 1871 brachte gravierende Umwälzungen, die Bevölkerungszahl stieg rasant. 1894 wurde das Dorf  zu einem Stadtteil von Hamburg. Im gleichen Jahr rumpelte die „Elektrische“ über die Eppendorfer Landstraße. Die Bauern verkauften ihr Land und auch die Landsitze wurden veräußert. Der  Bebauungsplan sah Eppendorf als vornehme Wohngegend vor, „Fabriken und nachbarschaftsbelästigende Geschäftsbetriebe“ waren untersagt. Damals erhielt die Straße so langsam ihr heutiges Gesicht. „Die breite Eppendorfer Landstraße mit ihren herrlichen Rosenbeten ist fast ganz bebaut mit besseren und vornehmsten Wohnhäusern…“ berichteten die „Hamburger Nachrichten“ aus jener Zeit.  An der Hausnummer 108 – 110 stand seit 1926 das Kaufhaus Dittmer, Verkaufsslogan: „Die Dame geht nicht mehr zur Stadt / weil es doch Kaufhaus Dittmer hat“. Die Reichspost kaufte die Michahellessche Villa samt Park auf und errichtete dort das 5-stöckige „unglaublich moderne Eppendorfer Postamt“. 

Die Nazi-Zeit brachte wenige bauliche Änderungen, unser Stadtteil blieb weitgehen von Bombardierungen verschont. Vom Kaufhaus Dittmer wurde das Obergeschoss mit seinen markanten Aufbauten zerstört. Heute steht hier ein Neubau. Der während des Krieges angelegte Röhrenbunker unter dem Rosengarten wurde vor ca. 30 Jahren mit Sand aufgefüllt und ist aus dem Blickfeld verschwunden. Auf Initiative des Eppendorfer Bürgervereins steht seit 1994 auf dem Gelände eine Bronzeplastik mit der Inschrift „Mutter sag nein“ - als Mahnung an den Frieden und Gedenken an Wolfgang Borchert.

In den 50er Jahren hielt das Auto Einzug in das Stadtbild. Der heutige Marie-Jonas-Platz wurde von 1959 – 2009 als Parkplatz genutzt, damals existierte dort noch das beliebte Kaufhaus Karstadt. 1977 wurden die Straßenbahnlinien eingestellt. Kurz darauf ließ das Bezirksamt  im Abschnitt Görnestraße – Haynstaße die Straßenbahnschienen entfernen und die Fahrbahn auf 2 Spuren verengen. Der EBV kommentierte damals: „Mit dem Herausnehmen der Straßenbahnschienen verschwindet auch ein Rest Herzstück Eppendorfer Vergangenheit. Eine neue Zeit ist angebrochen, das Auto dominiert und verlangt sein Recht."

Heute gibt es wieder  Diskussionen um die Umgestaltung der Straße. Das Bezirksamt eröffnet den Bürgern über eine Online-Plattform eine Mitsprachemöglichkeit .

Bitte beteiligen Sie sich! https://geoportal-hamburg.de/beteiligung_eppendorfer_landstrasse/

Quellen:

  • Werner Skrentny, Das Eppendorf Buch, Weidlich Verlag 2013
  • Hakim Raffat, Eppendorf und seine Parks, Stadtteilarchiv Eppendorf 2007
  • Christian Hanke, Eppendorf von A – Z, Medien-Verlag Schubert, 2001

 

Text: Marion Bauer - 13. Dezember 2019

Bilder: Marion Bauer/ EBV Archiv